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Der demographische Wandel hat auch den Sport erreicht und wird ihn weiterhin in Bewegung halten. Klar ist: In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens werden Nachwuchsmangel und gesellschaftliche Alterung unübersehbare Spuren hinterlassen; Ohne Zweifel: auch in unseren Vereinen und Verbänden. Dennoch bieten die sich ändernden Rahmenbedingungen gerade dem organisierten Sport keineswegs nur Risiken und Nachteile, sondern vor allem auch Chancen und Entwicklungspotenziale – und zwar auf breiter Ebene! Vereine und Verbände sind daher aufgerufen, sich mit den Herausforderungen der Zukunft intensiver denn je auseinanderzusetzen und mutig neue Wege zu gehen. Agieren, nicht Reagieren ist gefragt.
Der Verein im Wandel
Die jüngste Studie „Demographischer Wandel und organisierter Sport bis 2030“ des Instituts für Europäische Sportentwicklung und Freizeitforschung der Deutschen Sporthochschule Köln ist weit mehr als Blick in die Kristallkugel. Kernaussage: Die Altersstruktur des organisierten Sports wird sich gravierend verändern. Die gesellschaftliche Alterung hat damit auch im Sport erheblichen und zugleich nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklungen in der Zukunft. Rückläufig sind die Altersgruppen der 7- bis 14-jährigen genauso wie die der 19- bis 26-jährigen; stark steigend hingegen die Gruppe 60 plus.
Kinder- und Jugendsport
Die aktive Teilnahme am Sport ist für Kinder und Jugendliche - mehr denn je – elementare Basis eines gesunden Heranwachsens. Dennoch sind die Vereine und Verbände gerade auch im Nachwuchsbereich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Schon heute prägen spielende Kinder immer seltener das Bild der Straßen und Plätze. Die Lehrpläne werden straffer, Zeit- und Notendruck steigen. Den (multi-)medialen Verlockungen sind kaum noch Grenzen gesetzt. Dazu kommt, dass sich inzwischen fast jede dritte Frau, in der Regel bewusst, gegen eigene Kinder entscheidet. Bei Akademikerinnen ist der Anteil besonders hoch. In Mitteleuropa werden auch in Zukunft mit nicht viel mehr als 1,4 Kinder pro Frau zur Welt gebracht, womit sich jede Nachwuchsgeneration automatisch um rund ein Drittel verkleinert! Wie kann der Sport, die Jugendförderung diesen Entwicklungen entgegenwirken?
Familie und Sport
Für die kommenden Jahre und Jahrzehnte zeichnet sich nachfolgendes gesellschaftliches Gesamtbild ab: Obwohl die traditionelle Familie sicherlich (noch) einen hohen Stellenwert hat, zeigt sich ein mehr oder weniger deutlicher Trend hin zu alternativen Eltern-Kind-Konstellationen (Patchwork-Familie) und Single-Haushalten ab. Die familiären Netzwerke dürften somit tendenziell vielfältiger bzw. diffuser werden und in Kombination mit den niedrigen Geburtenraten der zurückliegenden Jahrzehnte abnehmen. Für den organisierten Sport lassen sich hieraus wesentliche Schlussfolgerungen ableiten. Es gilt, sich inhaltlich und strukturell noch intensiver auf die gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen. Denn: In der Familie prägt sich das Bewusstsein der Kinder und Jugendlichen für den Sport. Erst hier entsteht eine generationenübergreifende Bindung an den Sport und seine Institutionen, oftmals zunächst leistungsorientiert und in späteren Lebensphasen vermehrt in den Bereich „aktiver Gesundheitserhalt“ übergehend. Durch den demographischen Wandel sowie die angesprochenen Veränderungen des gesellschaftlichen Familienbildes erhält der Verein zudem ein höheres Gewicht als Begegnungsstätte der Generationen und als wichtiger Lebensraum bei der Bildung außerfamiliärer Netzwerke. Gefragt sind attraktive, zeitlich und logistisch an die Gegebenheiten der „neuen“ Familie angepasste Angebote, gerne auch vernetzt bzw. kooperativ mit externen Partnern.
Senioren und Sport
Die über 60-Jährigen, speziell im Sport, werden das einzige Segment mit erheblichen Wachstumspotenzialen sein. Hier darf (muss?) sich der Sport in den kommenden Jahrzehnten auf eine hohe Nachfrage einstellen. Zuwachsraten von 50 bis zu 100 Prozent, so die eingangs zitierte Studie, sind möglich. Dazu kommt das sich stetig wandelnde gesellschaftliche Altersbild: Gesundheit, Fitness, Wellness und Ausdauer als maßgebliche Triebfedern des Alltags; obige Dimensionen - so unwahrscheinlich sie auf den ersten Blick auch erscheinen – sind daher keineswegs Utopie. Den Vereinen und Verbänden des organisierten Sports stehen umfassende und zugleich sensible Anpassungsprozesse ins Haus. Es gilt, die Interessen und Ansprüche älterer Bevölkerungsanteile noch besser zu bündeln und programmatisch einzubinden – freilich jedoch nicht auf Kosten jüngerer Mitglieder. Treten Ausdauer, Fitness oder Wellness als Motive aktiven Sporttreibens mit Überschreiten des 70., verstärkt 75. oder auch 80. Lebensjahres allmählich in den Hintergrund, gewinnen Aspekte wie Sturz- oder Demenzprävention sprunghaft an Relevanz. Logisch, dass auch hier der Sport in der Pflicht steht. Denn das Gesundheitswesen, sprich der Staat, wird die hiermit verbundenen Aufgaben kaum alleine lösen können.
Sport und Integration
Auch oder gerade der organisierte Sport wird sich, trotz zahlreicher Erfolge in der jüngeren Vergangenheit, noch intensiver um die Integration zugewanderter Mitbürger bemühen müssen. Dies ist ein wichtiger Bestandteil der wachsenden gesellschaftlichen Verantwortung des Sports und kann für viele Vereine zu einer bislang eher unausgeschöpften Ressource werden. Es gilt, Mannschaftsstärken und Wettkampfcharakter aufrecht zu erhalten aber auch, den kulturellen Dialog zu fördern – gerade im Jugendbereich! Vor dem Hintergrund der sich wandelnden demographischen Wirklichkeit werden Aspekte wie gegenseitige Toleranz und Respekt in Zukunft mehr denn je Indikatoren für ein intaktes Vereinsleben sein, mit Signalwirkung weit über den Sport hinaus.
Sport und Gesundheit
Auch wirtschaftlich betrachtet führt an einer Ausweitung des Gesundheitssports kein Weg vorbei. Die Zahl der Bürger im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren wird sich in den kommenden Jahren signifikant reduzieren. Parallel dazu findet auch innerhalb der Erwerbsbevölkerung ein erheblicher Altersstrukturwandel statt; sprich es wird weniger 20 bis 29-jährige und es wird weniger 30 bis 49-jährige geben. Lediglich die ältere Erwerbsbevölkerung (50-65 Jahre) wächst. Die Wirtschaft wird also in Zukunft immer seltener auf die Arbeitskraft und den Erfahrungsschatz der älteren Arbeitnehmerschaft verzichten können! Das Umdenken jedenfalls hat bereits eingesetzt; noch vor Jahren nahezu undenkbare Ansätze wie „lebenslange Fortbildung“ oder „Investition in die Gesundheit älterer Arbeitnehmer“ treten zunehmend aus dem Hintergrund hervor und werden dankend aufgegriffen. In Kooperation mit Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Krankenkassen muss es dem organisierten Sport daher gelingen, eine sich stetig verbessernde Basis zur Gesunderhaltung (gerade) älterer Menschen zu erwirken. Und das wird einer der wichtigsten Schritte des organisierten Sports im Kontext demographie-bezogenen Handelns werden!
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